Narrenzunft Schwenningen e.V.

2005

Schlüsselwagen fährt zum ersten Mal

  • Die Narrenzunft Schwenningen kann auf 40 Jahre Abstauben und 50 Jahre Schlüsselübergabe zurückblicken.
  • Erstmals fährt der Zunftmeister auf dem Schlüsselwagen zur Schlüsselübergabe.
  • Großbrand im Obergeschoss unserer Zunftstube.

50 Jahre Schlüsselübergabe

Als der Schlüssel noch am Seil heruntergelassen wurde

Ein Rückblick von Narrenrat Jochen Schwillo

Seit 50 Jahren heißt es in Schwenningen „Schlüssel raus“. Mit der Schlüsselübergabe, wobei der Oberbürgermeister seine Macht, symbolisiert durch einen großen Stadtschlüssel, an den Zunftmeister abgibt, wird die hohe Zeit der Fasnet eingeläutet. Beschränkte sich der Schmotzige Donnerstag noch bis Beginn der 80-er Jahre nur auf den Abend, mit Einsprung der Narrenzunft auf die Marktplatz-Insel, so gehen heute die närrischen Aktivitäten bereits morgens los. Großen Anklang finden die seit 20 Jahren durchgeführten Schülerbefreiungen und die Besuche in den Altenheimen. Trotz des tagfüllenden Programmes, bleibt die abendliche Schlüsselübergabe der Höhepunkt des Schmotzigen und jeder Narr fühlt, wie sein Herz vor Freude springt, wenn er, begleitet durch die Harmonie oder Stadtmusik, zum Narrenmarsch auf den Marktplatz springt und, zusammen mit vielen hundert Menschen, den Oberbürgermeister auffordert: „Schlüssel raus!!!“
Kleinere Schlüsselübergaben hatten bereits vor 1955 stattgefunden. Hier waren Elferrat der Narrenzunft und Stadtverwaltung meistens unter sich. Mit dem Vorschlag der Zunft, am Schmotzigen Donnerstag 1955 eine öffentliche Schlüsselübergabe durchzuführen, betrat der Verein neues Gebiet.
Die erste öffentliche „Stadtschlüssel-Übergabe“, durch Oberbürgermeister Dr. Hans Kohler, fand am 17. Februar 1955 statt. Die Hanselgruppe traf sich einige Zeit vorher bereits bei Reinhard Schrenk im Zunftlokal „Rose“. Mit der Harmonie und dem Elferrat voran, zog die Zunft schließlich um 19 Uhr auf der Marktplatz-Insel ein. Damals berichtete die „Neckarquelle“, dass Tausende von Menschen auf den Marktplatz kamen. Die Stadtmusik unterhielt zuvor mit einem Platzkonzert. Närrische Zaungäste, ein Rottenburger Ahland und Bad Dürrheimer Salzhansel, verfolgten das närrische Treiben. Zunftmeister Bruno Werner proklamierte, dass der gesamte Gemeinderat in die Narrenzunft aufgenommen werden sollte und er forderte für ganz Schwenningen die Narrenfreiheit. Dr. Kohler ließ sich schnell erweichen und der Stadtschlüssel ging erstmals am Seil herunter, zu den freudenstrahlenden Narrenräten, die ihn in Empfang nahmen und erst am Dienstagabend wieder abgaben. Diese Seilaktionen fanden bis Ende der 60-er Jahre statt. Der Abend war nach dieser ersten Schlüsselübergabe noch nicht vorbei. Ein Festzug, wobei der Oberbürgermeister in einer Limousine vorausfuhr, bewegte sich ins Beethovenhaus. Hier fand in sämtlichen Räumen erstmals ein großer Bürgerball statt. Neben den beiden Musikkapellen wirkten die Hästräger mit, es gab Ehrungen durch die Narrenzunft und die über die Grenzen der Stadt hinaus bekannten Ansager und Humoristen Rominger und Peter Barkoh führten durchs Programm. Nur wenige Jahre fanden übrigens solche Bürgerbälle statt. Mangels Besucherinteresse wurden sie rasch wieder eingestellt.
Das närrische Treiben in der Bürkturnhalle löste praktisch die Bürgerbälle ab. Durch den Schlüsselball im letzten Jahr (2004), erfuhr der Abend in der Halle wieder einen Höhepunkt.

Die Narren wurden im Laufe der Jahre „frecher“. Man hielt sich aber immer an die Devise, niemals beleidigend zu werden. Das hat sich bis heute gehalten. Die Narren waren immer aktuell mit ihren „Anklagen“.
Schon vor 40 Jahren (1965) wies man auf die steigenden Verkehrsprobleme in Schwenningen hin. So sollte auf der Markplatz-Insel ein Parkhaus mit 25 Geschossen erstellt werden und obendrein sämtliche Häuser ums Rathaus abgebrochen werden, damit mehr Parkplätze entstünden. Vor jeder Fabrik sollten Parkuhren aufgestellt werden, damit der Verkehr flüssiger lief.
Die närrischen Forderungen trieben es sogar so weit, dass Schwenningen Fremdenverkehrsstadt werden sollte. Hier sollte es den Einsatz von zwei Dampfschiffen auf den beiden Moosweihern geben. Damit das Heringsessen am Aschermittwoch finanziert würde, sollte jeder Reisende eine Kurtaxe zahlen. Auch wollte man auf dem Türnleberg eine mehrgeschossige Burg bauen, den Hölzlekönig wieder aufrichten und das Setzenbrünnele zur Heilquelle erklären.
Jede der Forderungen wurde mit lautem Schellen der Hanselglocken untermauert. Dass die Zunft etwas für den Sport übrig hatte, sah man daran, dass jeder Turn- und Sportverein eine eigene Sporthalle, Schwimmbad, Flutlichtanlage und einen Zuschuss von 40.000 Mark aus dem Sportfond erhalten sollte. Ja das waren noch Zeiten.

1975 kam beispielsweise Zunftmeister Willi Maier in der städtischen Hebebühne an die Rathaus-Kanzel gefahren. OB Gebauer musste daheim mit einer Grippe das Bett hüten, so dass Bürgermeister Müller die Pflicht hatte, den Stadtschlüssel herauszurücken. Nach nur 36 Stunden wurde ihm damit die oberste Gewalt der Stadt wieder entrissen. Müller nahms gelassen. Und damit der Bürgermeister einmal sah, wieviel Dreck in den Rathaus-Dachrinnen war, durfte er auf der Hebebühne eine Runde fahren. Willi Maier gefiel der Gag so, dass er 1976 von Oberbürgermeister Gebauer den Stadtschlüssel aus der Hebebühne heraus verlangte.

40 Jahre Abstauben

Wie der 6. Januar den 11.11. als Fasnet-Auftakt ablöste

Oftmals wird man gefragt, warum denn in Schwenningen kein 11.11. gefeiert werde. In der schwäbisch-alemannischen Fasnet beginnt man erst am 6. Januar. Der 11.11. ist mehr im Karneval angesiedelt. Ehrlicherweise muss gesagt werden, dass die Narrenzunft bis vor 40 Jahren noch an dem 11.11. festgehalten hatte. Viele ältere Mitglieder werden sich noch an die Tanzabende und närrischen Elferrats-Sitzungen, sowie die Jahreshauptversammlungen erinnern, die immer direkt am 11.11. oder in der so genannten Advents-Fasnacht stattfanden. Hier muss erwähnt werden, dass alle Anwesenden in zivil waren. Lediglich die damaligen Elferräte waren mit ihren Narrenkappen geschmückt.
Schon zu Beginn der 1960’er Jahre sprach die Narrenvereinigung (VSAN) die Empfehlung aus, künftig den 6. Januar als Auftakt für die Fasnet zu sehen.
Mit der Einführung des Abstaubens in Schwenningen, am 6. Januar 1965 (damals warb die Zunft noch mit einem Wecken zur Fasnet), wurde auch die Bezeichnung Elferrat abgelegt. Man wollte sich auch hier vom Karneval lösen und fortan waren die Elfer- eben Narrenräte. Ganz ist der 11.11. jedoch nicht aus unseren Köpfen verschwunden. So lädt die Zunft jährlich zum gemütlichen Narrenhock in die Zunftstube ein und bei deftiger Schlachtplatte sehnt der eine oder andere die Zeit der Fasnet herbei.
Doch zurück zum 6. Januar 1965. Durch das Abstauben von den Gschell, sollten durch den Lärm die bösen Mächte vertrieben werden (sagte zumindest ein alter Brauch, der früher auch in Schwenningen bekannt war). Der weitere Grund war, dass man die neue Fasnet ohne jedes Staubkorn beginnen wollte. Angefangen hatte unser erster Abstauber Ernst Schlenker (Bürschtle) alleine, mit einem Eierkörble, im Nebenzimmer des Zunftlokals „Felsen“. Erst als er das Oberteil eines Stubenwagens, praktisch als Korbersatz, für die Masken und Gschell brauchte, war ein Gehilfe nötig.
Mittlerweile fand das Abstauben in der „Neckarquelle“ statt und Jürgen Wangler und Siegfried Hanselmann gaben kurze Gastspiele. Mit Heinz Kaltenmark bildete Ernst Schlenker bis 1985 ein Team. Dann ging „Bürschtle“ in den Ruhestand. Von 1986 bis 1993 waren es Heinz Kaltenmark und Siegfried Heckl. Seit 1994 sind Heckl und Markus Stegmann die Abstauber im Beethovenhaus und bringen jährlich ca. 500 Narren auf die Beine. Am 6. Januar 2005 wurde Siegfried Heckl auf eigenen Wunsch nach 20 Jahren als Abstauber aus diesem Amt von der Zunft verabschiedet.

2006

Hansel zieht ins Heimatmuseum

  • Der Hansel zieht ins Heimatmuseum ein.
  • Die Narrenzunft Schwenningen begleitet seit 70 Jahren der Schwan beim großen Umzug am Fasnet-Sunntig, des Weiteren blickt die Narrenzunft auf 40 Jahre Hexverbrennung zurück.
  • 28. Juni 2006 – Der Bauhof wird durch ein großes Hagelunwetter stark beschädigt.

70 Jahre Schwan

Eine Zierde für die Stadt

Ein Bericht von Narrenrat Jochen Schwillo

Geburtstag feiert unser Schwenninger Schwan. Seit 70 Jahren gehört das Wappentier der Schwenninger zur Fasnet. Der Schwan hat es schon früh zu Ruhm und Anerkennung bei der Narrenzunft Schwenningen gebracht. 1936 „geboren“, war der erste Schwan bereits beim althistorischen Narrentreffen der Schwäbisch-Alemannischen Narrenvereinigung in Oberndorf dabei.

Mit seiner imposanten Größe von damals vier Metern in der Länge und acht Metern in der Höhe, wog das „Schwenninger Federvieh“ satte 20 Zentner und hatte auch Platz für Mitglieder des damaligen Elferrates. Zudem war es schon damals eine Zierde für die Stadt. Eine zweite Generation, die wohl nach dem Kriege gebaut wurde, war etwas schmächtiger von Statur.
Das obere Bild zeigt Hermann Rosenberger und Karl Ebert beim Schwenninger Fasnet-Umzug, wie sie 1965 aus dem Schwan heraus grüßen.

Der heutige Schwan, so wie er sich dem Narrenpublikum präsentiert, wurde da schon wieder größer und pompöser gebaut.
Zu Beginn der 1970-er Jahre erblickte dieses Exemplar das Licht der Schwenninger Narrenwelt. Seither haben die Ratsfrauen die Ehre, aus dem Schwan herauszuwinken und mit ihren süßen Gaben dem Publikum etwas Freude zu bringen.

40 Jahre Hexverbrennen

Das große Heulen am Fasnet-Zieschtig

Ein Bericht von Narrenrat Jochen Schwillo

Am Fasnet-Zieschtig 1966 brannte erstmals die Fasnethexe auf dem Sturmbühl. Der jahrzehntelange Brauch in Schwenningen, die Fasnet während der Schlüsselbälle zu begraben, kam beim Publikum scheinbar nicht mehr an. 1965 fand letztmals solch ein Kehraus-Ball unter Narrenzunft-Regie statt. Vor 40 Jahren regierte ein neuer, fortschrittlicher Zeitgeist. Dass eine Hanselfigur in einem sargähnlichen Gebilde „zu Grabe“ getragen wurde, hatte nichts mehr mit der „sauberen Fasnet“ dieser Jahre zu tun. Die Schwenninger Narren gewöhnten sich schnell an das neue Prozedere der Hexverbrennung, die so neu auch nicht mehr war. Denn in den 1930er-Jahren wurde dieser Brauch auch mal kurzfristig ausgeübt. Da es vor 40 Jahren in Schwenningen noch keine Hexenfigur gab, die, wie beispielsweise in Offenburg, die alte Fasnet dem Feuer übergibt, hatte seinerzeit der Schwenninger Zunftmeister die große Ehre, die Fackel an die überdimensionale Strohpuppe zu halten.

„In Anwesenheit der Narren steckte er ‚das grässliche Ungeheuer‘ in Brand“, schrieb damals die Heimatzeitung, die „Neckarquelle“. Die Narren brachen in schrilles Wehklagen aus und die Musik spielte Trauerweisen. Seither hat sich auch nicht geändert, dass mit den letzten Klängen des in getragener Weise gespielten Narrenmarsches die Hästräger die Scheme lupfen und das große Heulen losgeht. Und während die Ratsfrauen am großen Leintuch Einigkeit präsentieren und gemeinsam „blären“, blitzt beim einen oder anderen Narren der Schalk aus den Augenwinkeln hervor, als möge er sagen, „es goot dr’gege“. Daran ändert sich bis heute nichts. Zum Fasnet-Ende 1974 übernahmen schließlich die drei Mooshexen die Zeremonie des Hexverbrennens. Die Hexenhäs-Träger sind übrigens für den Bau der großen Strohpuppe verantwortlich, in der etliche Kilo an Stroh stecken und viele Meter Stoff verarbeitet sind. Nur zweimal, 1990 als ein Sturm das Hexverbrennen ausfallen ließ und 1991 beim Golfkrieg, blieb die Hex im Schopf.

2007

50-jährige Narrenfreundschaft mit der BNZ

Die Narrenzunft Schwenningen feiert 50-jährige Narrenfreundschaft mit der BNZ Freiburg.

Die 50-jährige Narrenfreundschaft war einer der Höhepunkte der Fasnet 2007, die mit dem Besuch der BNZ im Schwenninger Beethovenhaus am Dreikönigstag gleich so richtig begann. Da die verschiedenen Freiburger Fasnetnester während der hohen Tage in der Breisgaumetropole selbst aktiv sind, bot das Schwenninger Fasnetabstauben am 6. Januar die einzige Möglichkeit, ein großes buntes Maskenbild aus Freiburg zu präsentieren. Und das Schwenninger Publikum staunte da nicht schlecht, als Ranzengardisten, Lalli, Fasnetrufer, Bächleputzer, oder die Blaue Narre mit dem Bus angereist kamen und für exzellente Stimmung sorgten. Oberzunftmeister Dieter Niederberger wurde von seinem Narrenrat auf die Bühne begleitet. Dem Schwenninger Zunftmeister Ralf Prätzas standen seine Vorgänger Jürgen Wangler, Hans Faller und Willi Maier, sowie Ehrensäckelmeister Max Glass zur Seite. Und jeder erinnerte sich an seine Freiburg-Episoden. Hans Faller sagte zum Beispiel, dass die Narrenzunft den Freiburgern schon lange das Helau, zugunsten eines Narri-Narro abgewöhnt habe und Freiburgs Zunftkanzler Markus J. Weber stellte die Freiburger Figuren mit gekonnten Reimen vor.

2008

Hanselsprung zum 80-Jährigen

  • Die Narrenzunft feiert mit einem separatem Hanselsprung, mit alten Hanselhäsern, am Fasnet-Samschtig das 80-jährige der Narrenzunft Schwenningen.
  • Die Ratsfrauen der Narrenzunft schauen auf 50 Jahre zurück.

Als Fahnengarde wurde 1958 begonnen

Ein Bericht von Narrenrat Jochen Schwillo

Die Ratsfrauen der Narrenzunft Schwenningen feiern Jubiläum. 1958 noch als Fahnengarde gegründet, ist die Gruppe nach 50 Jahren aus der Schwenninger Fasnet nicht mehr fortzudenken. Bei einem Fasnetumzug im Jahre 1958 in Geisingen feierten die jungen Damen der Schwenninger Zunft ihre Premiere. Neben den Schwestern Marie Glass und Lonie Golinske, die damals mit einem Elferrat verheiratet waren, hatten sich in der Fahnengarde auch Frauen engagiert, die nichts mit einem Elfer- beziehungsweise Narrenrat zu tun hatten. Hierbei handelte es sich um Lotte Hauschel und Inge Schramm. Die Idee ein Kostüm für die „Garde“ zu schaffen, stammt von Max Glass. Man wollte etwas kreieren, das farblich zum Ratskostüm der Männer passte. Demnach wurden die Röcke und Westen in einem dunklen Blau geschneidert und die weißen Hüte der Fahnengarde waren noch „handgemacht“.
Die erste Trägerin des Zunftbanners war Marie Glass. Die Standarte wurde 1957 von Franz Schliefenbacher anlässlich des großen Narrenfreundschaftstreffen gestiftet. Bis 1963 trug Marie Glass die Fahne mit dem Dreigestirn: Hölzlekönig, Hansel und Schantle. Dann folgte Elisabeth Marquardt, die das Zunftbanner bis Mitte der 1980er-Jahre trug. Seither läuft ein Hästräger mit der Fahne. Von 1971 an wird der Schwan von den Frauen besetzt und seit 1973 begleiteten nur noch Ratsfrauen die Fahne. Denn damals erhielten die Frauen der Narrenräte ihr neues Outfit, das wieder an die Kostüme der Männer angelehnt war. Außer, dass die Frauen rund 30 Jahre das Zunftbanner präsentierten, waren sie auch beim Dekorieren für die Fasnetbälle oder beim Wagenbau engagiert. Gerne erinnert man sich an den Rosenwagen, der mit Hilfe der Frauen gebaut worden ist. In der Zeit von Zunftmeister Ferdinand Hils wurden die Ratsfrauensitzungen eingeführt, die es auch heute noch gibt. Hier können die Frauen ihre Ideen und Vorstellungen einbringen. Sie können auch Kritik üben oder Lob äußern. Während über viele Jahre der Beschluss bestand, dass nur eine Ehefrau eines Narrenrates als Ratsfrau aktiv werden darf, wurde diese Bestimmung gelockert. Jetzt dürfen sich auch Partnerinnen von Narrenräten als Ratsfrauen engagieren, obwohl sie noch nicht verheiratet sind.