Narrenzunft Schwenningen e.V.

1957

Großes Freundschaftstreffen in Schwenningen

In Schwenningen findet ein großes Freundschaftstreffen mit 53 Zünften statt. Es war die bis dato größte Veranstaltung der Narrenzunft Schwenningen e.V.

Über 50.000 Menschen waren an diesem Sonntag, dem 17. Februar 1957, zum Freundschaftstreffen der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte nach Schwenningen gekommen. Bereits am Vortag, dem 16. Februar, waren bereits sehr viele Narren, aus nah und fern in der Stadt.

Von der Bundesbahn wurden seinerzeit vier Sonderzüge zur Verfügung gestellt, die aus Richtung Riedlingen (Donau), Konstanz, Offenburg und Balingen kamen. Hinzu rollte ein gewaltiges Aufgebot an Omnibussen voller Narren in der Stadt ein. Sämtliche Hotels, Gasthöfe und Gaststätten waren bis unters Dach belegt. So etwas hatte man hier bis dahin noch nicht erlebt. In allen Gasthäusern befand sich mindestens ein Standquartier der teilnehmenden Zünfte und um der Innenstadt ein närrisches Flair zu geben, wurden hundert Fahnenmasten im Vorfeld aufgestellt und lebensgroße fasnächtliche Puppen vervollständigten das bunte Bild. Für die Sicherheit waren damals fünfzig Mann Ordnungsdienst im Einsatz, die die Narrenzunft auf die Beine gebracht hatte. Auch die Polizei erhielt von außerhalb Verstärkung, um einen reibungslosen Ablauf der einzelnen Veranstaltungen gewährleisten zu können. Das Publikumsinteresse am Samstag war schon groß. Immerhin gab es bei Einbruch der Dunkelheit eine närrische Hexenverbrennung durch die Hexenzunft Offenburg und im Beethovenhaus, sowie in der gerade neu erbauten Großviehhalle des Schlachthofs gab es verschiedene Brauchtumsvorführungen.

Am Festsonntag, dem 17. Februar 1957, der um 5.30 Uhr mit dem Wecken durch den Wolfacher „Wohlauf“ begann und in Brauchtumsvorführungen an verschiedenen Stellen der Stadt weitergeführt wurde, drängten sich vor Umzugsbeginn recht bald Zuschauer und Narren buntgemischt.
Die Straßen waren durch Autos verstopft und es gab kaum mehr ein Durchkommen. Zwei Stunden lang schritten, sprangen, hüpften und tanzten die über 4.000 Narren an den begeistert jubelnden Zuschauer vorüber. Es war ein würdiger Auftakt zum 50-jährigen Stadtjubiläum Schwenningen. Beinahe alles, was es an fasnachtlichen Masken gab, war da.

Sogar ein kleine Abordnung aus dem benachbarten Villingen kam über die Fasnachtsgrenzen an den Neckarursprung und wurde begeistert empfangen. Erwähnenswert ist, dass der spätere Zunftmeister Willi Maier bei diesem Narrentreffen seine Premiere als Umzugsansager hatte. Zwei Stunden lang folgte auf dem 3,3 Kilometer langen Umzugsweg Narrenzunft auf Narrenzunft. Insgesamt waren 53 Zünfte und rund 30 Musikkapellen angereist und der Festzug sollte der bisher größte und schönste sein, den es bis dahin in Schwenningen gegeben hatte. Das Freundschaftstreffen vereinigte alle Fasnachtsgestalten des südwestdeutschen Raums. Die Umzugsspitze war bei der „Lilie“. In fünf Blöcken waren die Zünfte aufgeteilt. Durch das Narrentor zog die Vorhut des Zuges, der Reiter mit der Schwenninger Zunft-Standarte und zwei Begleiter. Gleich hinter ihnen sprang als erste Zunft die aus Donaueschingen auf den Marktplatz. Die gastgebende Narrenzunft war schließlich die letzte, die durch das Narrentor kam.

Von der Baar, vom Schwarzwald und Donautal und aus dem Hegau-Bodensee-Bereich kamen die Vereine nach Schwenningen.
Dass sich das Freundschaftstreffen der schwäbisch-alemannischen Narrenzünfte würdig in die Reihe seiner Vorgänger einfügte und zu einem bedeutenden Ereignis wurde, war rasch deutlich.
Über die Dauchinger Straße ging der närrische Lindwurm, durch das große Narrentor, das den Hölzlekönig zeige, auf den Marktplatz. Weiter ging es die Marktstraße hinunter, in die Herdstraße, die Jakob-Kienzle-Straße hinauf, in die Karlstraße, die Salinenstraße und die Alleenstraße. Der Festzug führte dann in die Harzerstraße, die Kronenstraße, die Engelstraße hinauf, in die Sturmbühlstraße und endete auf dem Marktplatz. Schon lange vor Beginn des Umzuges waren die Straßen dicht gesäumt. Das Fernsehen des Südwestfunks kam mit fünf Fahrzeugen nach Schwenningen. Während ursprünglich geplant war, nur eine Stunde, nämlich von 14 bis 15 Uhr den Festzug am Sonntag über alle deutschen Fernsehsender sowie nach Holland und in die Schweiz zu senden, entschlossen sich die Verantwortlichen letztlich, das gesamte Freundschaftstreffen zu senden, ein Novum für damalige Verhältnisse. Drei Wochen vor dem Großereignis waren Mitarbeiter vom damaligen Fernseh-Südwestfunk bereits nach Schwenningen gekommen, um zu erkunden, was alles für die vorgesehene Übertragung des Festzuges vorbereitet werden muss. Seinerzeit berichtete Fernsehreporter Scharfenberg, dass der Umzug von Schwenningen aus direkt für das ganze deutsche Fernsehprogramm übertragen wird und dass auch die Schweizer Fernsehsender angeschlossen sein werden.

Ausdrücklich wurde auch betont, dass es in diesem Jahre (1957) die einzige Veranstaltung dieser Art sei, die in das Gemeinschaftsprogramm aller deutschen Fernsehsender aufgenommen werde. Also konnte man sagen, dass Schwenningen eine Vorreiterrolle für die Fernsehübertragungen bei Narrentreffen hatte. Die Kameras waren auf dem Marktplatz postiert. Der benachbarte Turm des Feuerwehrgerätehauses diente als Sendeturm für dieses Narrenfreundschaftstreffen, das vor 50 Jahren das einzige offizielle Treffen der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte war. Die amerikanische Fernsehgesellschaft Tele-News, von der Zweigstelle Frankfurt, hatte ihr Kommen zum Narrentreffen angekündigt. Es sollte hier ein Film gedreht werden, der dann in den USA im Fernsehen gezeigt würde. Auch die nationale Tagespresse war mit einem starken Aufgebot von Berichterstattern und Fotografen vertreten, um alles in Wort und Bild zu dokumentieren. Das große Freundschaftstreffen wurde im Anschluss von vielen Seiten gelobt. Auch wurde der Ruf Schwenningens als gastfreundliche Feststadt bestätigt. So schrieb beispielsweise der damalige Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte, Wilbert Zahnder, an den Oberbürgermeister Dr. Hans Kohler: „Ihre Stadt darf auf ein Freundschaftstreffen zurückblicken, das in der Größe wie auch in der Schönheit des vorgeführten Brauchtums aus dem schwäbisch-alemannischen Raum wohl kaum zu übertreffen ist“. In einem Brief der Vereinigung an die Narrenzunft hieß es, dass die kühnsten Erwartungen, sowohl hinsichtlich der Zahl der Zünfte, wie ganz besonders in der Zahl des markierten Personen von den verschiedenen Zünften, übertroffen wurde.
Bei einer Besucherzahl von über 50.000 Menschen lobte die Narrenvereinigung, dass es bislang noch kein Treffen gab, das auf eine derartige Besucherzahl zurückblicken konnte. Obwohl das Narrentreffen die Zunft an ihre finanziellen Grenzen führte und der damalige Narrenrat sich bis aufs Letzte engagierte, blickt man gerne auf diese Fasnet vor 50 Jahren zurück.